Geologie
Während der Zeit der variskischen Gebirgsbildung vor rund 300 Millionen Jahren wurde das Osterzgebirge durch Bruchtektonik mit ihren nachfolgenden vulkanisch - magmatischen Erscheinungen geprägt. Diese haben auch zur Erzlagerstättenbildung in Zinnwald geführt.
Kassiterit mit Quarz
Am Aufbau des Untergrundes
in der Umgebung von Zinnwald sind Granit, Quarz- und Granitporphyr sowie
Basalt beteiligt. In fast all diesen Gesteinen, ausgenommen der Basalt, findet man
Erzanreicherungen, im besonderen die im Osterzgebirge in Vergangenheit und
Gegenwart wirtschaftlich bedeutungsvollen Zinnvorkommen.
Das Rahmengestein der Zinnwalder Lagerstätte ist Quarzporphyr und das Muttergestein wird als
Zinnwalder Granit bezeichnet.
Eine geologisch alt angelegte Tiefenstörung wurde im Oberkarbon (ca. 310 Mill.
Jahre) neu aktiviert. Dabei kam es zum Lavaerguss
des Teplitzer Quarzporphyrs, der die alte, aus verwittertem Gneis und Phyllit bestehende
Erdoberfläche bedeckte. In diese Porphyrdecke drang rund 30 Millionen Jahre später im Unterrotliegenden ein lokal
begrenzter Granitkörper ein. Bei der allmählichen Abkühlung der Lava erfolgte
die Abscheidung der Erze. In der sogenannten "pneumatolytischen Phase"
wurden zunächst die unter hohem Druck stehenden, mit Metallverbindungen
angereicherten Gase und Dämpfe freigesetzt.
Diese Gase und Dämpfe durchdrangen sowohl den
Granit wie das ihn umgebende Nebengestein und veränderten ihn. Hierbei schlug
sich vor allem Zinn als Oxid in feinster Verteilung nieder. Diese Gesteine enthalten nur
einen sehr geringen Anteil an Zinnstein. Sie werden von Bergleuten als Zwitter bezeichnet. Die von ihnen gebildeten
massenförmigen Lagerstätten ("Zwitterstöcke") enthalten oft
bedeutende Erzvorräte.
Gelangten die metallhaltigen Gase und Dämpfe in Gesteinsspalten, schlugen sich
dort nieder und kristallisierten aus, so bildeten sich
"Zinnerzgänge". Hier ist der Zinngehalt meist etwas höher. Die gewinnbaren Erzmengen
waren gewöhnlich kleiner,
da die Vererzung in der Regel nicht gleichbleibend gut über größere Erstreckung
vorhanden war.
Wolframit mit Zinnwaldit
Die bedeutendsten Zinnwalder Gänge sind dicht übereinandergelagert angetroffen
worden und wegen ihrer flachen, teilweise fast horizontalen Lage von Bergleuten
als "Flöze" bezeichnet. Ziel des Bergbaus auf Zinn waren also
Zwitterstöcke und Erzgänge. Oft traf man beide Lagerstättentypen miteinander
verknüpft an.
Auch Wolfram wurde hier abgebaut, allerdings fand er jahrhundertelang
keine Verwendung. Erst seit etwa 1846 begann in Zinnwald der Abbau von Wolframit,
da man Wolfram zur
Erzeugung von besonders hartem Wolframstahl verwendet. Und ab 1890 wurde
Lithiumglimmer abgebaut, welcher in der Aluminiumindustrie benötigt wird als
Legierungsbestandteil, besonders für den Flugzeugbau.
Zinnwaldit mit Quarz und Kassiterit (Gangstück)
Hauptbedeutung beim Abbau der Lagerstätte erlangten die 12 flach einfallenden Erzgänge, die als
"Flöze" bezeichnet werden. Daneben haben auch steil einfallende Gänge ("Morgengänge") und einige
kompakte Erzstöcke, sogenannte Greisenkörper, das Interesse an bergmännischer Bebauung
gefunden.